Die Schleife

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Myst
Schuldrache
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Die Schleife

#1 Beitragvon Myst » Mo 07 Mai, 2007 00:16

"Muss das sein?" - "Ja mein Schatz. So nun halt still." - "Aber warum muss ich dieses alberne Ding tragen?" - "Weil heute ein Foto deiner Abschlussklasse gemacht wird. Du willst doch hübsch aussehen oder? Schließlich schicken wir das Bild deiner Großmutter, als Andenken!" - "Papa!" - "Ich halte mich daraus! Als ich deine Mutter vor 50 Jahren getroffen habe, habe ich ihr schon so oft widersprochen, aber immer verloren." Er grinste und seine Tochter setzte einen verzweifelten Ausdruck auf. "Mama! Die lachen mich doch alle aus. Ich blamiere mich damit!" - "Wieso? Vor wem den? Das sieht schön aus. Nun hab dich nicht so." - "Aber.." - "So, fertig!", sprach ihre Mutter, als sie dir rote Schleife aus feiner Seide an ihr befestigt hatte. Sie zupfte noch etwas an den Enden um deren Festigkeit und Sitz zu kontrollieren. "Nun, schau in den Spiegel."
Ihre Tochter ging zu dem großem Spiegel an der Wand und sah sich genau an. "Mutter, ich sehe albern aus! Papa, sag doch was!" - "Ich finde, du siehst niedlich aus.", gab er ihr als Antwort und lächelte sie an. Er wusste das es keinen Zweck hat seiner Gefährtin zu wiedersprechen. Das hatte er in den ganzen Jahren, die sie zusammen waren gelernt. "Das Rot passt richtig zu deinem Weiß. So und nun komm, sonst kommen wir zu spät! Das willst du doch nicht oder?", fragte sie ihre Tochter und strahlte nur so vor Stolz. "Hoffentlich reißt dieses dumme Ding auf dem Hinweg ab!", knurrte die Kleine und ging mit ihren Eltern nach draußen.
Es war ein schöner Sommertag und es war fast kein Lüftchen zu spüren. Der Himmel war Wolkenlos und überall blühten die Blumen in ihren schönsten Farben. Der Frühling zeigte sich von seiner schönsten Seite und ließ den frischen Duft der Blumen in jede Nase wehen.
"So, steig auf damit wir endlich losfliegen können.", forderte ihr Vater sie auf, "Was ist? Nun komm!" - "Ich kann schon selber fliegen!" Ihr Vater stutzte und sah sie verwundert an.
"Warum willst du auf einmal eine solch weite Strecke alleine fliegen?" - "Weil ich nun mal alt genug dafür bin, selber dorthin zu fliegen!" - "Aber alle anderen Eltern nehmen ihre Kinder auch auf den Rücken. Woher auf einmal dieser Sinneswandel?" - "Ich will nicht auf deinen Rücken mitfliegen. Ich hab meine Gründe. Basta!", sie setzte sich auf ihre Hinterbeine, verschränkte die Arme vor ihrer Brust und legte einen fest entschlossenen und erzürnten Gesichtsausdruck auf.
"Lass sie doch Schatz, wenn sie selber fliegen will. Ist doch schließlich ihr großer Tag!", redete ihre Mutter auf ihn ein. Ihr Vater schaute sie an und seufzte, "Von mir aus. Normalerweise werden die Kinder von ihren Eltern an diesem Tag noch ein letztes Mal getragen. So ist es doch immer Tradition gewesen." - "Traditionen ändern sich Papa." - "Ich sag ja schon nichts mehr.", sprach er leicht enttäuscht, da er seine Kleine Tochter doch ein letztes Mal noch auf seinem Rücken spüren wollte, bevor sie für immer selber fliegen sollte. Er drückte sich mit seinem Beinen kräftig vom Boden ab und breite seine Schwingen aus, und hielt sich mit ihnen auf einer Position.
"So, nun komm dann jetzt aber auch!", forderte er seine Tochter auf, während er in der Luft schwebte. Seine Gefährtin tat ihm nach und als ihre Eltern sich in die Lüfte erhoben hatten, begann auch sie damit. Sie breitete ihre Schwingen aus, die genau so weiß waren wie ihre übrigen Schuppen und fing an, schnell und kräftig auf und ab zu schlagen. Nach einigen Schlägen hatte sie sich in die Lüfte erhoben und flog ihren Eltern zu ihrer Schule nach. Dabei sah sie sich die Flügelschläge ihres Vaters an, sie waren sehr kräftig und gezielt, richtig graziös.
Ihre Flügelschläge waren dagegen noch sehr unbeholfen und flatterig, zwar nicht mehr so wild wie beim ersten Mal, aber auch noch nicht so beherrscht, wie bei ihren Eltern. Er war ein Drache mit einer eher stark ausgeprägten Muskulatur, wogegen ihre Mutter sehr zierlichen, aber anmutigen aussah. Ihr Vater war ein braun-grün gezeichneter Drache, ihre Mutter war eine blau-rot geschuppte.
Sie selber war ein junger weißer Drachling, ohne jede Musterung. Deshalb wurde sie auch manchmal von ihren Klassenkameradinnen gehänselt, was ihr gar nicht gefiel und sie dann immer ganz wütend wurde. Die waren so doof! Nur weil sie mehrfarbig oder eine bunte Farbe hatten. Blassschuppe war nur eine von vielen Verspottungen. Das schlimmste war jetzt nur noch, das sie mit einer roten Schleife um den Hals dorthin fliegen musste. Nur weil Oma das schick findet, dachte sie im Flug und wollte am liebsten mit ihren scharfen Krallen diesen Schmuck in tausend Fetzen reisen, als sie anfing daran etwas herum zu zupfen, in der Hoffnung das die Schleife das weite sucht.
Mutter würde das aber bestimmt nicht gefallen, dachte sie und seufzte, "Das wir die Blamage meines Lebens!" - "Was ist mein Schatz?", fragte ihre Mutter sie und drehte ihren Kopf zu ihrem kleinen Drachling. "Ach nichts. Habe nur laut gedacht.", winkte die kleine Drachin ab und ihre Mutter sah wieder nach vorn.
Die kleine Familie flog über grüne Wiesen und frisch bestellten Äckern, über Hügel und Wälder, Berge und Täler. Die Tiere am Boden liefen in Panik davon, wenn die Schatten der Drachen über den Boden sausten und suchten Schutz in den dichten Büschen oder großen Bäumen.
Als sie nach einer guten Stunde an der Schule ankamen, setzten sie zur Landung an. Sie landete zwischen ihren Eltern und sah sich um. Dann erschrak der kleine Drachling "Oh nein! Nicht ER!". Sie erblickte den Drachen, den alle kleinen Drachenweibchen an ihrer Schule so schön und toll fanden, sie eingeschlossen. Er war ein recht großer Drachling für sein Alter und hatte sehr bunte Schuppen. Rot und Gelb waren nur die größten Anteile in seinem Schuppenkleid. Was sie am meisten Beeindruckte war seine muskulöse Figur, sie floss bei deren und seinem Anblick regelrecht dahin. Dann fiel ihr schreckhaft die Schleife wieder ein.
"Hoffentlich sieht er mich nicht!", flüsterte sie leise und versteckte sich hinter dem linken Vorderbein von ihrem Vater. "Was machst du da?", fragte er und sah sie verwirrt an. Im Innern glaubte sie fest daran, das ihre Schuppen rot wurden und sah sich an. Dann schnaufte sie erleichtert und sah ihrem Vater in die Augen, die so hoch oben waren das sie sich richtig klein vorkam.
"Ach nichts. Ich schau nur.", versuchte sie sich rauszureden und strahlte ihn mit einem Lächeln an, "Bist du mir bös?" - "Wieso?", fragte er. "Weil ich nicht auf deinem Rücken hierher geflogen bin." - "Nein, ist nicht so schlimm. Hauptsache ist, du hast heute deinen Spaß!", sagte er liebevoll und strich ihr über den Kopf.
Spaß, dachte sie, den werde ich mit dieser Schleife heute wohl bekommen. Sie sah zu ihrer Mutter rüber, die schon mit den anderen Drachenmüttern fleißig am tratschen war.
"Willst du nicht zu deinen Freundinnen gehen?" - "Doch Papa.", seufzte sie und ging zu ihren sogenannten Freundinnen. "Hallo ihr!" - "Oh. Hallo Luna. Was hast du den da schickes an?", grinste sie eine an und deutete mit ihrer Kralle auf die Schleife. "Hat mir meine Mutter aufgezwungen." Sie packte mit ihrer Klaue zwischen ihrem Hals und der Schleife, um sie etwas zu lockern und ihren Unmut darüber zu zeigen, zeigte sie grimmig ihre kleinen Fangzähne vor.
"Sieht aber niedlich aus und so süß!", lachte eine Andere. "Ach hört bloß auf!", brummte sie verärgert, "Ich wäre am liebsten im unserer Höhle geblieben. Wann geht denn das los?" - "Das Foto soll gleich gemacht werden. Sie wollten es durchgeben.", erklärte eine Andere und sie erzählten noch über dies und das. Vor allem über den süßen Drachen aus ihrer Klasse.
"Bitte alle Prüflinge des Fluglehrgangs´13 zum Foto an die große Treppe am Eingang melden.", erklang es durch die Außenlautsprecher.
Luna und ihre Freundinnen machten sich also auf den Weg zur Treppe, als Luna IHN sah. Er sah direkt in ihre Richtung, der Drache ihrer Träume. Luna versteckte sich so gut es ging hinter ihren Freundinnen und konnte so unbemerkt an ihm vorbeikommen.
Er darf mich bloß nicht mit dieser Schleife sehen!, dachte sie und brachte eiligst viel Platz zwischen ihm und ihr.
"Die größeren Stellen sich bitte auf die Hinterbeine in die letzte Reihe. Die Kleineren legen sich bitte in die erste Reihe. Der Rest in die Mitte bitte.", forderte der Fotograf die Abschlussschüler auf. Die Drachlinge verteilten sich alle auf ihre Plätze und Luna stellte sich auf die Hinterbeine in die letzte Reihe, ungefähr in die Mitte. Sie war für ihr Alter schon sehr groß im Gegensatz zu ihren Freundinnen, was ihr auch einen kleinen Respekt bisher verschaffte. Ihre Mutter und ihr Vater hatten ihre Schwänze umschlungen und ihrer Mutter liefen die Drachentränen nur so runter vor Rührung. "Mütter.", seufzte sie und schaute zur Fotokamera.
"Nein, so geht das nicht. Hach. Du da, geh mal neben denn weißen Drachling. Ja, den mit der roten Schleife!", wies der Fotograf einen Drachling an. Luna schaute verwirrt drein und sah in die Richtung, in der die Kralle des Fotografen zeigte.
Sie schluckte. ER!, dachte sie. Ihr Angebeteter sollte neben ihr stehen, weil er zu groß für die Mittlere Reihe war. Luna wurde kalt und heiß zugleich. Gleich würde er neben ihr stehen. Eng und Schuppe an Schuppe. Wäre sie ein farbiger Drache, sie würde erblassen, so war ihr zu mute.
Langsam kam er näher und zwang sich zwischen ihr und dem Grünen.
"Hallo. Hübsche Schleife!", sprach er sie höfflich an und lächelte. "Hallo.", war das einzigste, was sie hervorbringen konnte.
Ihr steckte ein Frosch, nein eine ganze Kuh im Hals.
"So und nun sagt alle Fleisch!", sprach der Fotograf und alle riefen laut, "FLEISCH!", nur Luna nicht. Sie zeigte nur die Zähne und dachte, WEG HIER!
Als das Foto fertig war, stellte sie sich schnell wieder auf alle Viere und rannte zu ihren Eltern.
"Können wir gehen? BITTE!", flehte sie und sah gar nicht nach hinten. Sie wollte gar nicht sehen, wie er sie wohl angrinste. Ihr war so elend und wollte am liebsten auf der Stelle im Boden versinken.
"Wieso den?", fragte sie ihr Vater. "Bitte Papa! Mir ist nicht gut." Er seufzte, "Na gut, dann gehen wir besser."
Sie wollten gerade abheben, als Luna von hinten eine männliche Stimme ansprach und sie fragte, "Wo willst du so schnell hin?" Sie drehte sich um und erschrak. ER! "Ich äh..", stammelte sie. "Möchtest du vielleicht mit mir noch ein Eis lecken?", fragte er sie, "Den ich mag dich wirklich sehr. Und deine Schleife find ich wirklich süß." - "So findest du?" - "Ja." - "Da muss ich erst meine Mutter fragen." Sie eilte zu ihrer Mutter und flüsterte ihr ins Ohr, "Wir können bleiben. Mir geht es SUPER!"

@Myst
1. offizieller Leu-Fanclub! Myst, ein Drache für jeden Ernstfall ^^

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